Die Wahl des richtigen Stativs für eine Harmonic-Drive-Montierung ist kein Randthema. Sie hat direkten Einfluss auf die Guiding-Performance – und damit auf das, was am Ende auf dem Sensor landet.
Vom Teleskop zur Montierung zur Stativfrage
Ausgangspunkt war mein Baader Apo 95/590 Travel Companion – ein leichtes Reiseteleskop mit knapp dreieinhalb Kilogramm Eigengewicht. Das Ziel: ein schlankes, mobiles Astrofotografie-Setup. Konsequenterweise war ich lange Zeit auf der Suche nach einer entsprechend leichten Montierung, die bis zu 13 kg Nutzlast trägt.
Parallel dazu entstand aber schnell Klarheit darüber, was das Teleskop im Betrieb tatsächlich wiegt: mit Rohrschellen, Reducer, Raspberry Pi, Stromversorgung, Tauheizband, Kamera und Filterschieber kommt das System auf rund siebeneinhalb Kilogramm. Eine Montierung, die dieses Gewicht gerade noch toleriert, war damit keine sinnvolle Wahl mehr.
Die Entscheidung fiel auf die WarpAstron WD-20P – eine Harmonic-Drive-Montierung mit 22 kg Traglast und Direktantrieb, die als Nachfolger der konventionellen Montierung (hier: HEQ5 Pro mit bis zu 20 kg inkl. Gegengewichte) einen deutlichen Schritt nach vorne bedeutet. Der Auswahlprozess ist gesondert dokumentiert: https://astrocamp.eu/de/warpastron-wd-20p-die-entscheidung/.
Warum ein leichtes Carbonstativ ausschied
Mit einer 5,7 kg schweren Montierung und 7,5 kg Teleskop-Nutzlast stellte sich die Frage, welches Stativ dieser Kombination gerecht wird – und was im Betrieb realistisch passiert.
Harmonic-Drive-Montierungen arbeiten ohne Gegengewichtsausgleich. Das bedeutet: Die Lastverteilung auf das Stativ ist einseitig und verändert sich mit jeder Ausrichtung des Teleskops. In der Recherche – sowohl in den Erfahrungsberichten aus der Community als auch in direkten Gesprächen mit anderen Astrofotografen auf AstroBin – taucht dieser Punkt regelmäßig auf. Mehrere Nutzer leichter Carbonstative berichten, dass sie Wasserflaschen oder Sandsäcke unter das Stativ hängen, um es zu stabilisieren. Das ist kein Zeichen für ein geeignetes Stativ, sondern für ein ungeeignetes.
Ein Stativ zwischen 8 und 12 kg ist bei diesem Setup kein Kompromiss, sondern ein Qualitätsmerkmal. Masse stabilisiert.
Die Entscheidung für Berlebach
Berlebach ist ein deutsches Unternehmen, das Holzstative für den professionellen und semiprofessionellen Einsatz fertigt. Die Verarbeitungsqualität und die Breite des Zubehörangebots haben mich überzeugt, mich näher mit der Uni-Serie zu befassen.
Innerhalb der Serie gibt es drei Größen: Uni 8 (kurze Beine), Uni 18 (Standardhöhe) und Uni 28 (längere Beine). Der wesentliche Unterschied ist die Beinhöhe. Das Uni 18 trifft die übliche Arbeitshöhe eines Astrostativs und ist damit für den mobilen Einsatz der richtige Kompromiss.
Das Uni 18 trägt bis zu 50 kg Nutzlast. Selbst mit dem größten denkbaren Ausbau des aktuellen Setups – schweres APO oder ein 10″-Teleskop – werde ich diesen Wert nicht annähernd erreichen. Die Reserve ist also mehr als ausreichend.

Drei Winkelspreizung statt Standard
Ein konkreter Auslöser für die Entscheidung zugunsten der Drei-Winkel-Spreizung war die bereits erwähnte einseitige Lastverteilung bei Harmonic-Drive-Montierungen. Bei der Standardspreizung ist der Winkel fest. Die Drei-Winkel-Spreizung von Berlebach erlaubt drei einstellbare Positionen und gibt damit die Möglichkeit, die Beine weiter zu öffnen – was den Stand bei unsymmetrischen Lasten deutlich stabiler macht.
In der Praxis fahre ich fast immer mit der mittleren Einstellung. Das ist ein hervorragender Kompromiss zwischen Standfläche, Schwerpunkt und Handhabbarkeit.
Einfache oder doppelte Klemmung
Bei weit gespreizten Beinen wirken bei ausgezogenen Auszügen Kräfte, die ein Durchhängen begünstigen. Die doppelte Klemmung an den Beinen ist in dieser Konfiguration die konsequente Wahl. Für die meisten Standardanwendungen wäre die einfache Klemmung ausreichend – aber da ich die Spreizmöglichkeit aktiv nutzen wollte, habe ich mich für die doppelte Klemmung entschieden.
Der Teller: ZWO-Adapter in der hochwertigen Ausführung
Die WarpAstron WD-20P verwendet denselben Montierungsanschluss wie die ZWO AM5 und AM5N. Berlebach bietet für diesen Anschluss einen spezifischen Adapter an – in drei Preisstufen: ohne Teller, mit Standardteller und mit Advanced-Teller.
Ich habe mich für die höchstwertige Variante entschieden. Der Grund ist praktisch: Der Advanced-Teller verfügt über kleine Einkerbungen an der Befestigungsplatte, die ein Verdrehen der Montierung auf dem Stativ verhindern. Das ist kein Komfort-Feature, sondern eine Funktion, die in der Praxis bei jeder Session relevant ist.
Im Rückblick war das die richtige Wahl.
Stativverlängerung PE 200 von ZWO
Harmonic-Drive-Montierungen haben eine kompakte Bauform. Das hat Konsequenzen: Bei zenitnahen Objekten besteht die reale Gefahr, dass die Kamera gegen die Stativbeine schlägt – insbesondere bei kurzen Bauhöhen.
Ich habe die Stativverlängerung PE 200 von ZWO dazugekauft. Diese Verlängerung passt direkt auf den ZWO-Teller am Berlebach und bringt die Montierung auf eine Höhe, bei der diese Gefahr für mein Setup vollständig beseitigt ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in anderen Konfigurationen noch zu Kollisionen kommen kann – das muss jeder für sein Setup individuell prüfen. In meinem Fall hat es das Problem gelöst.
Ein weiterer praktischer Aspekt: Die PE 200 kommt mit einem Adapter auf das Skywatcher-HEQ5-Format. Damit passt die Verlängerung auch auf die Säule unseres Astronomievereins in der Eifel, die genau diesen Anschluss verwendet. Das ermöglicht es, das komplette Teleskop-Setup ohne Umrüstung der Montierung dorthin mitzunehmen.
Edelstahlausführung und Nivellierfüße
Ich habe mich für die Edelstahlausführung der Fußenden entschieden.
Ergänzend habe ich die Astronomie-Nivellierfüße von Berlebach erworben. Diese werden unter die Stahlfüße geklemmt und erlauben eine feinfühlige Höhenjustage der einzelnen Beine. Das Ergebnis im Betrieb: Der Ausrichtungsvorgang der Montierung wird erheblich vereinfacht. Ich bin von diesem Zubehör sehr überzeugt.
Zusammenfassung der Konfiguration
| Komponente | Auswahl |
| Stativ | Berlebach Uni 18 |
| Spreizung | Drei-Winkel-Spreizung |
| Klemmung | Doppelte Klemmung |
| Teller | ZWO-Adapter, Advanced-Ausführung |
| Fußenden | Edelstahlausführung |
| Nivellierfüße | Berlebach Astronomie-Nivellierfüße |
| Verlängerung | ZWO PE 200 |
Dieses Setup passt zur WarpAstron WD-20P und zur WD-20, ebenso wie zu ZWO AM5 und AM5N, da alle denselben Montierungsanschluss verwenden. Alle notwendigen Schrauben und Befestigungen sind im Lieferumfang enthalten der genannten Produkte enthalten.
Fazit
Das Berlebach Uni 18 ist kein Kompromiss, der irgendwann zum Problem wird – es ist von Anfang an die richtige Wahl für ein Setup dieser Klasse. Masse, Qualität und Zubehörverfügbarkeit sind das, was man bei einer Harmonic-Drive-Montierung im mittleren bis oberen Preissegment vom Stativ erwartet. Das Uni 18 erfüllt das.
Die Nivellierfüße sind eine Empfehlung ohne Einschränkung. Wer eine Berlebach-Stativ-Konfiguration für eine harmonische Antriebsmontierung aufbaut, sollte sie einplanen.

