Die Astrofotografie ist für mich immer ein Balanceakt zwischen Anspruch und Realität. Idealerweise fotografiere ich unter dunklem Himmel in der Eifel oder im Westerwald. In der Praxis entstehen die meisten Aufnahmen jedoch von meinem heimischen Grundstück in Koblenz – mit Bortle-5-Himmel, einer Straßenlaterne direkt hinter dem Zaun und der Stadt im Westen.
Genau für diese Situation habe ich mir den Baader UHC-L Booster in 50,4 mm zugelegt. Ich arbeite bereits mit Baader-Filtern an meiner Monokamera (RGB und Luminanz, Schmalband ist bestellt), daher war es nur konsequent, auch für meine astromodifizierte Canon EOS R und eine künftig geplante Astro-Vollformat-Farbkamera auf denselben Hersteller zu setzen.
Nach mehreren Monaten mit eher durchwachsenem Wetter konnte ich den Filter immerhin bei drei Projekten einsetzen. Die Ergebnisse möchte ich hier technisch nüchtern, aber zufrieden zusammenfassen.
Komet unter widrigsten Bedingungen – C/2025 A6 (Lemmon)
Mein erster Einsatz des Filters war denkbar anspruchsvoll: der Komet C/2025 A6 (Lemmon). Über Wochen hinweg hatte ich kaum nutzbares Wetter. In den letzten zwei bis drei Tagen vor seinem Verschwinden ergaben sich kurze Wolkenlücken – fotografiert zwischen zwei Häusern hindurch, mit Straßenlaterne im Rücken und durchziehenden Wolkenfeldern.
Der erste Versuch war unbrauchbar. Am Folgetag, dem 5. November 2025, gelang es mir schließlich, 65 Einzelbilder à 30 Sekunden aufzunehmen, bevor die Wolkendecke wieder schloss.

▼ Baader Apo 95 CaF₂ | Canon EOS R(a) ’25
© 2025 · Thomas Hanrath · CC BY-NC-ND 4.0 · no edits · no commercial use
Ein direktes Vergleichsbild ohne Filter habe ich nicht. Angesichts der extrem ungünstigen Voraussetzungen gehe ich jedoch davon aus, dass der UHC-L Booster hier einen entscheidenden Beitrag geleistet hat. Das Endergebnis ist technisch sauber, mit gutem Kontrast im Kometenschweif und kontrolliertem Hintergrund – unter Bedingungen, bei denen ich ohne Filter vermutlich kein verwertbares Resultat erhalten hätte.
Farbkomponenten der Andromedagalaxie
Das zweite Projekt war die Farbaufnahme der Andromeda Galaxy.
Am 21. Dezember habe ich mit der Canon EOS R und dem UHC-L Booster 40 Einzelbilder à 5 Minuten aufgenommen – insgesamt 3 Stunden und 20 Minuten Integrationszeit. Bereits einige Monate zuvor hatte ich 60 × 5 Minuten Luminanzdaten mit einem Baader UV/IR-Cut gesammelt.
Erstmals konnte ich so eine echte Vollformat-Darstellung der Andromedagalaxie realisieren.
Farblich bin ich vom Ergebnis überzeugt. Weder habe ich das Gefühl, relevante Spektralanteile zu verlieren, noch erscheinen mir die Farben unnatürlich verschoben. In PixInsight nutze ich in der „SpectroPhotometric Color Calibration“ die Einstellung für den Baader UHCS-Filter in Kombination mit einer Full-Spectrum-EOS R – dem direkten Vorgänger des UHC-L. Damit erhalte ich reproduzierbar stimmige Resultate.

▼ Baader Apo 95 CaF₂ | SkyEye62AM, Canon EOS R(a) ’25
© 2025 · Thomas Hanrath · CC BY-NC-ND 4.0 · no edits · no commercial use
Für mich zeigt dieses Projekt deutlich: Der Filter unterstützt die Farbfotografie unter suburbanem Himmel, ohne die ästhetische Balance zu beeinträchtigen.
Die Plejaden – Farbe aus der Stadt, Luminanz aus dem Dunkeln
Mein drittes Projekt waren die Plejaden.
Die Farbaufnahmen entstanden am 25. Dezember zu Hause in Koblenz:
45 × 300 Sekunden mit der Canon EOS R und dem UHC-L Booster.
Die Luminanzdaten nahm ich wenige Tage später im Bayerischen Wald auf – unter einem deutlich dunkleren Bortle-3/4-Himmel – mit meiner gekühlten Monokamera (80 × 300 Sekunden, insgesamt 6 Stunden 40 Minuten) und klassischem UV/IR-Cut.
Die Kombination beider Datensätze hat mich positiv überrascht. Unterschiedliche Kameras, unterschiedliche Pixelgrößen – und dennoch fügen sich Luminanz und Farbe sauber zusammen. Besonders erfreulich: Die Reflexionsnebel der Plejaden wirken differenziert, ohne störende Halos um helle Sterne. Genau hier (anderes Objekt) hatte ich in der Vergangenheit mit einem anderen Filter (L-eXtreme) deutlich stärkere Hofbildung beobachtet – selbst am gleichen Teleskop.

© 2025 · Thomas Hanrath · CC BY-NC-ND 4.0 · no edits · no commercial use
Der UHC-L Booster verhält sich hier ausgesprochen unauffällig. Sterne bleiben kontrolliert, der Hintergrund wirkt ruhiger, ohne dass die Szene künstlich kontrastiert erscheint.
Technische Einordnung
Ich verwende aktuell fünf Filter:
- R, G, B
- Luminanz (UV/IR-Cut)
- UHC-L Booster
Alle von Baader Planetarium im 50,4-mm-Format, jeweils 3 mm Glasdicke. Das erleichtert die Planung der Backfokus-Distanz erheblich.
Meine Filter nutze ich in der Baader-Filterschublade und wechsle sie manuell. Unter dunklem Himmel fotografiere ich in der Regel ausschließlich Luminanz. Farb- und künftig auch Schmalbanddaten entstehen überwiegend im heimischen Garten – dort, wo der UHC-L Booster seine Stärke ausspielt.
Fazit: Ein sinnvoller Baustein für den Stadthimmel
Ich bin mit dem Baader UHC-L Booster Filter sehr zufrieden. Nicht im Sinne eines Wundermittels – dunkler Himmel bleibt durch nichts zu ersetzen. Aber als gezielte technische Maßnahme für meine Bortle-5-Bedingungen erfüllt er genau meine Erwartungen:
- Reduktion störender Stadtlichtanteile
- Keine auffälligen Farbverfälschungen
- Sehr geringe bis keine Halo-Neigung
- Gute Integration in meinen bestehenden Workflow
Für meine Farbkamera vom heimischen Grundstück aus ist dieser Filter ein klarer Gewinn. Er ermöglicht mir, auch dann produktiv zu bleiben, wenn Zeitmanagement und Wetter keinen Ausflug unter wirklich dunklen Himmel zulassen.
Kurz gesagt: Für meinen Anwendungsfall war der Kauf ein Volltreffer.






