ToupTek SkyEye 24AC – 1/2 – die Kaufentscheiung

Kürzlich habe ich mir in Ergänzung zur ToupTek62AM noch eine ToupTek24AC Kamera gekauft.

Vor knapp zwei Jahren habe ich mir mit der ToupTek SkyEye 62AM eine Vollformat‑Monokamera zugelegt. Die Entscheidung für Vollformat war damals schnell getroffen: Beide meiner Teleskope – der Vixen VC200L und der Baader APO 95/580 CaF2 Travel Companion – zeichnen sauber bis in die Ecken des Vollformats, und es wäre schade gewesen, dieses Potenzial nicht auszuschöpfen. Mit der SkyEye 62AM bin ich seither sehr zufrieden. Sie liefert in meinem Setup zuverlässig hervorragende Daten und ist für meinen Anspruch schlicht die richtige Kamera.

Trotzdem stand seit einiger Zeit fest, dass ich den Hauptsensor um eine zweite, ergänzende Kamera erweitern möchte – eine One‑Shot‑Color‑Kamera. In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich zu dieser Entscheidung gekommen bin, warum die Wahl erneut auf eine ToupTek gefallen ist, und warum es am Ende die SkyEye 24AC geworden ist und nicht die naheliegendere SkyEye 62AC.

Warum überhaupt eine Farbkamera?

Der Reiz einer Monokamera liegt in der Flexibilität: Luminanz, RGB, Schmalband in H‑alpha, OIII und SII – alles separat aufgenommen, sauber getrennt, beliebig kombinierbar. Diese Flexibilität kostet aber auch etwas, das im Alltag am Teleskop leicht unterschätzt wird: Zeit und Planung.

Jeder Kanal muss einzeln geplant, belichtet und kalibriert werden. Flats fallen für jeden Filter an, die Nacht will vernünftig aufgeteilt sein, die Bedingungen sollen über mehrere Sessions halbwegs vergleichbar bleiben. Wer, wie ich, mit einer Filterschublade statt mit einem motorisierten Filterrad arbeitet, hat zusätzlich noch ein paar manuelle Handgriffe mehr auf der Liste.

Parallel zur SkyEye 62AM hatte ich immer wieder meine astromodifizierte Canon EOS R im Einsatz – ebenfalls Vollformat. Gerade an Abenden, an denen ich wusste, dass nur eine einzige Session für ein Objekt zur Verfügung steht, habe ich sie sehr gerne genommen. Ein Abend, ein Objekt, ein Bild – fertig. Zieht das Wetter früher zu als geplant oder wird die Nacht kürzer als gedacht, habe ich trotzdem ein vollständiges Bild in allen Kanälen und kann am nächsten Tag entwickeln, statt auf „die zweite Hälfte meiner Daten“ zu warten.

Das Paradebeispiel für diesen Anwendungsfall sind für mich Kometen. Da habe ich, wenn es gut läuft, vielleicht 20 oder 30 Minuten, in denen Komet und Umgebung wirklich passen. Sich in dieser Zeit mit Filterwechseln zu beschäftigen – das nimmt mir den Spaß. Hier will ich das Teleskop auf den Kometen stellen, auslösen und fotografieren.

Damit stand die Grundsatzentscheidung: Es soll eine gekühlte OneShotColorKamera werden – als Ergänzung zur SkyEye 62AM, nicht als Ersatz.

Warum wieder ToupTek?

Die Herstellerfrage war im Grunde schnell beantwortet. Mit der SkyEye 62AM bin ich seit anderthalb Jahren rundum zufrieden: solide Mechanik, saubere Sensorik, verlässliche Treiber, vernünftiger Preis. ToupTek ist, auch wenn der Name im deutschsprachigen Raum nicht immer sofort fällt, einer der größten Astrokamera‑Hersteller überhaupt. Ein erheblicher Teil der unter anderen Marken verkauften Modelle – Lacerta, Omegon und viele mehr – kommt letztlich aus derselben Fertigung. Was mich an meiner Monokamera überzeugt hat, spricht also auch für die zweite Kamera desselben Hauses. Unter dieser Prämisse reduzierte sich die Auswahl auf zwei Modelle aus derselben SkyEye‑Familie.

Zwei Kandidatinnen: SkyEye 62AC oder SkyEye 24AC

Auf den ersten Blick hätte die SkyEye 62AC die logische Wahl sein müssen: das Farbpendant zu meiner Monokamera, gleicher Sensor, gleiche Pixelgröße von 3,76 µm, gleiches mechanisches Verhalten, identischer Workflow. Mehr „Symmetrie“ geht nicht.

Die zweite Option war die SkyEye 24AC: ebenfalls Vollformat, aber mit deutlich größeren Pixeln und entsprechend geringerer Auflösung. 14 Bit statt 16 Bit im Vergleich zur 62er. Auf dem Papier klingt das zunächst wie ein Rückschritt – weniger Pixel, weniger Bittiefe. In der Praxis sieht die Rechnung aber etwas anders aus.

Warum es die SkyEye 24AC geworden ist

Am Ende habe ich mich für die SkyEye 24AC entschieden. Ausschlaggebend waren mehrere Punkte, die alle in dieselbe Richtung zeigen: Zeit, Lichtausbeute und Ergänzung zum bestehenden Setup.

Größere Pixel bedeuten mehr Licht pro Pixel. Genau das ist der entscheidende Unterschied zur 62AC. Auf jeden einzelnen Pixel fällt deutlich mehr Photonenstrom, der Signal‑Rausch‑Abstand pro Belichtung ist höher, und gerade bei Objekten, die an einem einzigen Abend entstehen sollen, kommt man damit schneller zu einem belastbaren Bild. Was die 24AC an Auflösung verliert, gewinnt sie an Effizienz – und genau darum geht es mir in diesem Einsatzzweck.

Kleinere Dateien, schnellere Integration. Die einzelnen Subs sind kleiner, das Stacking läuft spürbar flotter, der Speicherbedarf über eine komplette Session ist niedriger. Das mag nach einer Nebensache klingen, ist aber für genau den Arbeitsmodus relevant, in dem diese Kamera eingesetzt werden soll: schnell durch den Workflow, schnell zum Ergebnis, am nächsten Tag entwickeln können statt über Nacht stacken zu müssen.

Zu meinem Seeing passen größere Pixel ohnehin häufig besser. An den meisten Nächten setzt das Seeing die Obergrenze, nicht der Sensor. Ein Thema, dem ich in einem separaten Beitrag einmal eigens nachgehen möchte: Pixelgröße versus Öffnung – eine Gegenüberstellung, die in der Praxis oft mehr Klarheit schafft als jeder Blick ins reine Datenblatt.

Die 62AC wäre die „konsequentere“ Wahl gewesen. Die 24AC ist die Wahl, die meinen realen Arbeitsablauf besser abbildet.

Adaption an beide Teleskope

Ein Aspekt, der für mich fast so wichtig ist wie die Kamera selbst: Der Kamerawechsel muss im Dunkeln, mit klammen Fingern, in Sekunden funktionieren. Deshalb habe ich an beiden Teleskopen – am Vixen VC200L und am Baader Travel Companion 95 – hinter dem Okularauszug ein Baader M68 Schnellwechselsystem sitzen.

Damit lassen sich beide Kameras an beiden Teleskopen ohne jedes Werkzeug in wenigen Sekunden austauschen. Und weil ich bei der Auswahl der SkyEye 24AC explizit darauf geachtet habe, ist die Adaption in allen Belangen identisch:

  • Gleicher M68‑Anschluss mechanisch,
  • gleicher Stromanschluss (12 V / 2,1 mm),
  • gleicher Datenanschluss (USB 3),
  • jeweils zwei Anschlüsse an der Kamera, von denen ich einen für die Guidecam verwende.

In der Praxis bedeutet das: Egal ob 62AM oder 24AC, egal ob VC200L oder Travel Companion – die Verkabelung bleibt dieselbe, die Adaption bleibt dieselbe, und nichts muss am Teleskop umgebaut werden. Genau diese Art von Systemdenken mag ich an meinem Setup inzwischen sehr.

Der neue Workflow: Mono‑Luminanz + Farb‑Kamera

Was ich schon vor der Anschaffung der 24AC in der Praxis getestet hatte: Es funktioniert hervorragend, ein Luminanzbild der SkyEye 62AM mit den Farbinformationen einer OneShotColorKamera zu kombinieren – in meinem bisherigen Fall der Canon EOS R. Diesen Workflow übernehme ich nun mit der gekühlten SkyEye 24AC, und er wird durch die bessere Empfindlichkeit pro Pixel und das saubere Rauschverhalten der gekühlten Kamera noch einmal spürbar besser.

Ein Trick, der sich dabei bewährt hat und den ich weiterhin einsetzen werde: Ich drizzle die Farbkanäle der 24AC beim Stacking um den Faktor 2 und reduziere die Ausgabe dann während der Integration auf die Größe des SkyEye62 Bildes. Das klingt nach einem Umweg, liefert aber auffallend saubere, feine Farbinformationen – und der Umstand, dass die Farbkamera eine etwas geringere Pixelzahl hat als die Monokamera, lässt sich auf diese Weise perfekt kaschieren: Die gedrizzelten, reduzierten Farbdaten integrieren sich hervorragend in das etwas größere Format der Mono‑Luminanz.

In Kombination heißt das für mich:

  • Volle Session, geplante Mehrnachtprojekte, tiefe Luminanz, Schmalband → SkyEye 62AM, klassischer Mono‑Workflow.
  • Ein Abend, ein Objekt, Kometen, wetterunsichere Nächte, schnelle Ergebnisse → SkyEye 24AC als reine OSC‑Lösung.
  • Maximaler Detailreichtum → Luminanz von der 62AM, Farbe von der 24AC, beides auf das Vollformat der Mono skaliert.

Fazit

Auf dem Papier wäre die SkyEye 62AC die symmetrische Ergänzung zur 62AM gewesen. In der Praxis setzt sich die SkyEye 24AC aber bei genau den Kriterien durch, die für mich in der zweiten Kamera zählen: mehr Licht pro Pixel, kürzere Integrationswege, kleinere Dateien, eine Kamera, die ich an einem kurzen Abend oder an einem Kometen ohne schlechtes Gewissen anschließen kann – und die sich gleichzeitig als Farblieferant perfekt mit der Mono‑Luminanz oder Schmalbandaufnahmen verheiraten lässt.

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