Die Reise zur Sonnenfinsternis: Das Equipment

Wie viel Ausrüstung braucht man eigentlich für die eigene erste totale Sonnenfinsternis, wenn man anfangs gar nicht weiß, wie man sie fotografiert?

Von der Unsicherheit zum schlanken System

Am Ende standen auf dem abgemähten Feld bei Villadiego de Cea nur zwei Kamerasysteme. Das klingt nach einer von Anfang an durchdachten, schlanken Lösung – war es aber nicht. Am Anfang stand vor allem eines: Ich hatte keine Ahnung, wie man eine totale Sonnenfinsternis überhaupt fotografiert.

Timelapse Equipment

Von der Unsicherheit zur groben Marschroute

Eine partielle Sonnenfinsternis war für mich kein Problem – Herschelkeil drauf, fertig, das kannte ich. Aber eine totale Sonnenfinsternis stellte mich vor ganz andere Fragen: Was mache ich eigentlich während der Totalität? Was mache ich in der Partialphase davor und danach? Und was passiert in den paar Sekunden dazwischen, in denen sich alles ändert?

Die Antwort, die sich nach einiger Recherche herauskristallisierte, war eigentlich einfach, aber entscheidend: In der Partialphase reicht es, ab und zu ein Bild zu machen. Kurz vor der Totalität muss es dagegen sehr schnell gehen – Filter runter, innerhalb von ein, zwei Sekunden in die Belichtungsreihe der Totalität hinein, abfeuern, und direkt danach die Filter wieder drauf und in der Partialphase weiterfotografieren. Diese Erkenntnis – dass der eigentliche Engpass nicht die Ausrüstung, sondern das Timing an den beiden Übergängen ist – hat im Grunde die gesamte Equipmentfrage geprägt.

Die große Materialdiskussion

Um diese Frage zu beantworten, habe ich zunächst wirklich alles auf den Tisch gelegt und durchdiskutiert, was theoretisch infrage kommen könnte: verschiedene Teleskope, Montierungen, Kameras, Objektivkombinationen. Zwischendurch habe ich sogar überlegt, mir kurzfristig noch ein kurzbrennweitiges Vixen Fl55ss gebraucht zuzulegen – das war aber auf die Schnelle nicht zu bekommen, und die Idee war damit erledigt, bevor sie überhaupt richtig anfangen konnte.

Vieles aus dieser ersten großen Liste ist schon in der Diskussion selbst wieder weggefallen, lange bevor überhaupt etwas gepackt wurde. Ein Beispiel: Für die Korona-Aufnahme wurde zunächst ein 100-400mm-Zoom durchgerechnet – 400mm gilt an Vollformat als eine Art Sweet Spot, weil die Korona bei einer guten Finsternis zwei bis fünf Sonnenradien weit reicht und bei dieser Brennweite gerade noch komplett ins Bild passt. Diese Überlegung wurde aber hinfällig, sobald klar war, welches Teleskop tatsächlich zum Einsatz kommen würde.

Warum klassische spiegellose Kameras statt dedizierter Astrokameras

Cameras in the Hotel
Cameras in the Hotel

Eine der ersten Entscheidungen, die wirklich stand: keine dedizierten Astrokameras für die Eclipse-Aufnahme. Meine Touptek Skyeye 62AM und 24AC sind für Deep-Sky-Aufnahmen hervorragend, fielen für die Sonnenfinsternis aber vor allem wegen der Aufnahmegeschwindigkeit und wegen der großen Datenmengen raus, die sich in den entscheidenden Sekunden nicht eben mal auf einen Rechner übertragen lassen. Stattdessen bin ich – wie vermutlich die meisten Eclipse-Fotografen – bei klassischen, in meinem Fall spiegellosen Kameras geblieben, der Canon EOS R und der Canon EOS R50. Diese Kameras sind genau für das gemacht, was während der Totalität gebraucht wird: schnell hintereinander mit unterschiedlichen Belichtungszeiten fotografieren.

Die Filterfrage: schnell entschieden

Ob Herschelkeil oder Folie, war schnell durch: Der Herschelkeil funktioniert nur am Refraktor, nicht an einem normalen Objektiv, und ein Wechsel unter Zeitdruck kurz vor der Totalität war mir zu riskant. Die Lösung war die Baader-AstroSolar-Folie mit OD 3.8 – für jedes verwendete Optik-System gleich einsetzbar, und der „Wechsel“ reduziert sich am Ende auf: Kurz vor der Totalität ab, direkt danach wieder drauf.

Selbstgebaut mit dem 3D-Drucker

Solar Filter Cap - 3D printed
Solar Filter Cap – 3D printed

Damit diese Folie überhaupt sicher und passgenau sitzt, habe ich mir mit dem 3D-Drucker zwei Dinge gebaut. Zum einen die Filterfassungen selbst: Für Teleskop und Objektiv habe ich mir passende Vorlagen besorgt, ein paar Schrauben dazugekauft und daraus stabile Kappen mit der OD-3.8-Folie zusammengebaut. Zum anderen Schellen, mit denen sich das Samyang 135mm sauber und stabil huckepack auf den Apo montieren ließ.

Das finale System

Was am Ende auf dem Feld stand: ein Berlebach-Uni-18-Stativ, darauf die Warpastron-WD-20P-Montierung – eine großartige Montierung mit GPS und einer ebenso großartigen Handfernbedienung, wirklich ein Traum in der Bedienung. Als Primäroptik daran der Baader Planetarium Travel Companion 95, ein Apo-Refraktor mit Calciumfluorid-Linse, 580mm Brennweite, durch den Flattener auf 590mm gebracht, mit der Canon EOS R. Huckepack darauf montiert das Samyang 135mm, bei Blende 2,8 verwendet, an der Canon EOS R50.

Was sonst noch im Kofferraum war

Ohne es überzustrapazieren: Neben der AGM-Batterie zur Stromversorgung hatte ich meine zweite Montierung dabei, eine Skywatcher HEQ5 Pro mit Stativ, dazu eine ganze Menge Kabel und Werkzeug für den Fall, dass etwas umgebaut werden musste. Eine weitere Astrokamera war für einen möglichen nächtlichen Einsatz eingepackt, kam aber nicht zum Zug. Die ganzen anderen Objektive, Montierungen und Kameras, über die in der ersten Planungsrunde gesprochen wurde, haben es dagegen nie bis in den Kofferraum geschafft – sie fielen, wie beschrieben, schon in der Diskussion weg.

Wie ich mit diesem System dann tatsächlich fotografiert und die Aufnahmen automatisiert habe, das ist Thema des nächsten und letzten Beitrags dieser Serie.

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