Im letzten Beitrag ging es darum, mit welchem Equipment ich am Ende tatsächlich vor Ort stand: dem Baader Planetarium Travel Companion 95 (Apo, Calciumfluorid, 590mm mit Flattener) mit der Canon EOS R als Korona-System auf der Warpastron-WD-20P-Montierung, huckepack dazu das Samyang 135mm mit der Canon EOS R50 für den Weitwinkel-Kontext. Dieser Beitrag geht einen Schritt weiter und ist bewusst technisch: Wie habe ich belichtet, mit welchen Werten, wie wurden die Aufnahmen während der Totalität überhaupt ausgelöst, und warum liefen an den beiden Systemen unterschiedlich gestufte Belichtungsreihen?
Filter und Systemtrennung, kurz zusammengefasst
Beide Objektive liefen während der Partialphasen mit einem passgenau gebauten Baader-AstroSolar-Folienfilter (OD 3.8), der jeweils kurz vor der Totalität komplett entfernt und direkt danach wieder aufgesetzt wurde – kein Filterwechsel im eigentlichen Sinn, sondern schlicht ab und wieder drauf. OD 3.8 ist die für die Fotografie vorgesehene Dichtestufe der Folie; die dichtere ND-5.0-Variante ist für die visuelle Beobachtung mit dem Auge gedacht und kam hier nicht zum Einsatz. Die beiden Systeme hatten dabei klar getrennte Aufgaben: Die EOS R am Apo lief die eigentliche Belichtungsreihe für Korona, Diamantring und Protuberanzen, während die EOS R50 am Samyang eher auf Einzelbelichtungen für das Landschafts- und Horizontbild ausgelegt war und nicht denselben Bracketing-Aufwand betrieb.
Die Partialphasen: ruhiges, seltenes Auslösen
Von C1 bis kurz vor der Totalität und wieder ab C3 bis C4 lief die Kamera mit aufgesetzter Folie im Rhythmus von etwa alle zwei bis fünf Minuten ein Einzelbild – nicht für die Belichtungsreihe selbst, sondern um am Ende eine durchgehende Sequenz für eine Composite-Darstellung des gesamten Ablaufs zu haben, von der ersten bis zur letzten Berührung. Belichtungswerte in dieser Phase: ISO 100, Verschlusszeit im Bereich 1/250 bis 1/1000 Sekunde, je nach Bewölkungsgrad und dem, was der Histogramm-Check auf dem Display zeigte – hier lohnt es sich, vor Ort tatsächlich zu testen statt sich blind auf einen Tabellenwert zu verlassen, da atmosphärische Bedingungen den nötigen Wert durchaus verschieben.
Die letzten Minuten: Fokus fest, Belichtung vorbereitet
Fokus an Apo und Samyang wurde direkt nach dem Aufbau und noch einmal in der Mitte der Partialphase kontrolliert – danach bewusst nicht mehr angefasst. Fünf bis zehn Minuten vor der Totalität folgte der letzte konzentrierte Check: ISO korrekt gesetzt, Belichtungsreihe im Kameramenü hinterlegt, Akkustand geprüft, Nachführung der Montierung bestätigt. Kurz vor C2 dann die Folie ab, die Kamera auf die für den Diamantring vorgesehene Einzelbelichtung gestellt – und ab diesem Moment wurde nichts mehr an Fokus, Blende, Zoom oder Ausrichtung verändert.
Automatisierung: wie die Aufnahmen ausgelöst wurden
Bei nur rund anderthalb Minuten Totalität bleibt schlicht keine Zeit, während der Reihe noch von Hand nachzustellen – und ich wollte den Blick ohnehin bewusst vom Sucher nehmen, um die Totalität selbst mit Gero zu erleben statt sie nur durch die Kamera zu verfolgen. Beide Systeme liefen deshalb automatisiert, allerdings auf unterschiedliche Weise.
Die EOS R50 am Samyang nutzte die kamerainterne Reihenfunktion: eine im Menü hinterlegte Serie, die mit einer festgelegten Anzahl an Aufnahmen durchläuft, sobald sie ausgelöst wird – ohne dass ich danach noch etwas anfassen musste. An der EOS R am Apo kam dagegen ein externer Intervalometer der Marke Rollei zum Einsatz, der die siebenstufige Belichtungsreihe automatisch abfuhr. Die exakten Werte für Wiederholzahl und Intervall bei beiden Systemen habe ich noch nicht mehr parat – die trage ich nach, sobald ich sie anhand meiner Kameraeinstellungen noch einmal nachgeprüft habe.
Die Korona-Belichtungsreihe an der EOS R: sieben Stufen
Die eigentliche fotografische Herausforderung einer totalen Sonnenfinsternis ist der enorme Helligkeitsumfang der Korona: von der extrem hellen Chromosphäre und den Protuberanzen am Sonnenrand bis zur schwachen äußeren Korona, die mehrere Sonnenradien weit reicht, liegen gut und gerne zehn bis zwölf Blendenstufen – deutlich mehr, als ein einzelnes Bild abdecken kann. Deshalb braucht es eine Belichtungsreihe (Bracketing), aus der später ein HDR-Komposit zusammengesetzt wird.
Javier, mit dem ich den Standort geteilt habe, hat sein Komposit aus einer einfachen Dreier-Reihe zusammengesetzt – seine Kamera unterstützt intern nur eine dreistufige automatische Belichtungsreihe. Die Canon EOS R, mit der ich am Apo fotografiert habe, erlaubt dagegen bis zu sieben Stufen in einer automatischen Reihe, und genau die habe ich genutzt. Das war keine bewusste gestalterische Entscheidung für weichere Übergänge, sondern schlicht das, was die Kamera an Möglichkeiten hergab – mehr Stufen sind für die Dynamik der Korona grundsätzlich von Vorteil, wenn die Kamera sie mitmacht. Der Preis dafür ist Zeit – bei nur rund anderthalb Minuten Totalität blieb kaum Spielraum für mehr als ein bis zwei komplette Durchläufe der Reihe, weshalb die einzelnen Stufen mit rund zwei Blendenstufen Abstand statt der feineren Ein-Blendenstufen-Schritte gewählt waren, die sich bei mehr verfügbarer Zeit angeboten hätten.
| Stufe | Verschlusszeit | Zielbereich |
|---|---|---|
| 1 | 1/2000 s | Diamantring, innerste Chromosphäre |
| 2 | 1/500 s | Protuberanzen, sonnennahe Korona |
| 3 | 1/125 s | Innere Korona |
| 4 | 1/30 s | Mittlere Korona |
| 5 | 1/8 s | Mittlere bis äußere Korona |
| 6 | 1/2 s | Äußere Korona |
| 7 | 2 s | Äußerste Korona, Erdlicht auf der Mondscheibe |
ISO lag konstant bei 400, Fokus manuell fixiert, die Blende durch die Optik selbst vorgegeben.
Die zweite Optik: Samyang und EOS R50
An der EOS R50 mit dem Samyang lief während der Totalität eine eigene, deutlich kürzere Reihe für den Weitwinkel-Kontext. Dabei habe ich zwei unterschiedliche Durchläufe ausprobiert: In einem habe ich die Belichtungszeit mittendrin auf schätzungsweise ein bis zwei Sekunden angehoben – den genauen Wert muss ich noch einmal nachschauen –, was deutlich zu hell geriet und überbelichtet war. Im anderen lagen die Stufen zu dicht beieinander, um im Komposit einen echten Mehrwert zu bringen. Der erste Durchlauf ist grundsätzlich brauchbar, zeigt gegenüber dem, was die Apo-Aufnahmen ohnehin schon liefern, aber keine zusätzlichen Details in der äußeren Korona – möglicherweise auch, weil die Sonne zum Zeitpunkt der Totalität nur wenige Grad über dem Horizont stand und der Dunst dort zusätzlich Kontrast gekostet hat.
Ergebnis und Ausblick
Über den gesamten Nachmittag kamen auf diese Weise rund 70 Einzelbelichtungen zusammen – die Partialphasen-Sequenz für das Composite, mehrere Durchläufe der siebenstufigen Reihe an der EOS R während der Totalität, dazu die beiden Testreihen an der EOS R50. Veröffentlicht sind bislang ausschließlich Ergebnisse der Kombination aus Apo und EOS R; ihr findet sie automatisch in den „ähnlichen Beiträgen“ unter diesem Artikel. Die Samyang/EOS-R50-Aufnahmen sind bisher unveröffentlicht und werden es aus den beschriebenen Gründen vermutlich größtenteils auch bleiben – ein Bild zeige ich der Vollständigkeit halber aber wahrscheinlich trotzdem noch. Das vollständige HDR-Merge aus allen Belichtungen der EOS R – und was ich dabei über die Nachbearbeitung einer Sonnenfinsternis gelernt habe – ist ein eigenes Thema für sich.
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