WarpAstron WD-20P – die Entscheidung

Ich habe in der vergangenen Woche den „Kaufen“-Knopf gedrückt. Nach aufwändiger Recherche ist es die Harmonic-Drive-Montierung WD-20P von WarpAstron geworden.

Als ich im Jahr 2020 mein erstes ernsthaftes Astrofotografie-Equipment zusammenstellte, hatte ich einen Satz aus der Community im Ohr – sinngemäß: Die Montierung ist die Basis deines Equipments. Kaufe das beste, was du dir leisten kannst. Dann wird deine Montierung viele Teleskope kommen und gehen sehen.

Dieser Satz hat sich als wahr erwiesen. Meine HEQ5 Pro hat seitdem diverse Optiken getragen: das Vixen ED80sf, das Takahashi FS-60CB, das SkyWatcher Evo90 meines Sohnes für Sonnenbeobachtungen, diverse Foto-Objektive zu unterschiedlichen Gegebenheiten – seien es Perseidenschauer, eine Mondfinsternis oder die Hyaden. Heute trägt sie mein Standardequipment: den Baader Travel Companion, einen 4″-Refraktor gehobener Qualität, und das Vixen VC200L, das ich sehr schätze und bewusst regelmäßig nutze.

In derselben Zeit habe ich meine vierte und fünfte Kamera in Betrieb genommen, bin von DSLR über DSLM auf zwei gekühlte Vollformat-Astrokameras umgestiegen, besitze inzwischen eine Monokamera und arbeite mit hochwertigen Schmalband-Filtern. Die HEQ5 hat all das mitgemacht. Es war sehr gut, dass ich auf den Rat gehört hatte.

Eine gute Montierung wandert gedanklich in den Hintergrund

Die HEQ5 Pro ist durchaus mobil einsetzbar – kein Vergleich zu den schwerfälligen EQ6-Derivaten. In normalen Nächten zu Hause habe ich eine Guiding-Performance um die 0,6″–0,8″ erreicht. Unter wirklich dunklem Himmel in der Eifel waren Werte unter 0,5″ normal. Für die Bildskala meiner Setups war das solide und ausreichend.

Was mich über die Jahre hinweg jedoch immer wieder beschäftigt hat: Backlash. Regelmäßig, wenn auch routiniert handhabbar, musste ich nachjustieren.

Nach nun fünfeinhalb Jahren ist meine HEQ5 zu meinem Nadelöhr geworden. Dauerhaft in den Ruhestand schicken werde ich sie deshalb nicht – aber es ist an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen und wieder eine Basis für Freiraum zu legen.

Die neue Montierung muss in den Hintergrund treten und einfach funktionieren. Immer! – und in sämtlichen Aspekten einen Schritt nach vorne bedeuten.

Neun Monate Recherche – (m)eine kleine Schwangerschaft

Die Entscheidung für eine neue Montierung habe ich mir nicht leicht gemacht. Rund neun Monate habe ich mir Zeit gelassen und regelmäßig recherchiert, verglichen, nachgefragt.

Meine Herangehensweise war dabei bewusst anders als das übliche Forenstöbern: Ich habe gezielt Astrofotografen auf AstroBin angeschrieben, deren Bilder mich überzeugten – und deren Montierung ich in den Metadaten identifizieren konnte. Die Fragen waren strukturiert: Welche RMS-Werte erreichst du unter welchem Bortle-Wert? Würdest du heute wieder kaufen? Was nervt dich wirklich?

So entstand über neun Monate ein persönliches Meinungsbild aus unzähligen Ersthand-Erfahrungen – kein einziges Datenblatt, keine Herstelleraussage. Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich die Zeit genommen haben, mir zu antworten. Dazu kamen Gespräche mit regionalen Astro-Händlern und befreundeten Astrofotografen aus meiner lokalen Community sowie der Austausch mit Bloggern und YouTubern.

Der Markt für Harmonic-Drive-Montierungen ist in Bewegung.
Was bei meiner HEQ5 Pro Anschaffung 2020 in der öffentlichen Diskussion noch keine Rolle gespielt hatte, ist heute eine ernsthafte Option für anspruchsvolle mobile Setups. Das macht die Auswahl interessanter – und schwieriger. Es ging in meinem Kopf zu wie in einem Taubenschlag: Manche Montierungen kamen und gingen mehrfach, andere schieden überraschend früh aus.

Wie sich mein Anforderungsprofil verschob

Gestartet bin ich mit dem Gedanken, mir ein wirklich mobiles Setup für meinen Baader Travel Companion zuzulegen – leicht, handlich, reisefreundlich. Das war die Ausgangssituation, als ich mit der Idee einer Montierung bis etwa 13 kg Traglast eingestiegen bin.

Im nächsten Schritt kam die Frage: Was ist, wenn ich mal auf einen echten High End APO wechseln möchte? Ein Takahashi 106 z.B. bringt nackt fast 8 kg auf die Waage – mit vollständigem Zubehör wäre eine 13-kg-Montierung dann bereits ausgereizt, und die teure Investition nutzlos. Das Ziel verschob sich in Richtung 15 kg Traglast ohne Gegengewicht.

Da ich mich durchaus auch für einige 10″-Teleskope interessiere, insbesondere für Mond oder Planeten, wurde aber auch diese Grenze schnell knapp. Die Entdeckung des Direktantriebs gepaart mit spürbar mehr Nutzlastreserve hat die Entscheidung dann endgültig mitgeprägt.

Das Eigengewicht der Montierung rückte dabei in den Hintergrund: Mein Baader-APO-Setup bringt mit vollständigem optischen Zubehör etwa 7,5 kg auf die Waage. Damit leuchtete mir plötzlich nicht mehr ein, warum ich unbedingt auf eine 3,4-kg-Montierung setzen sollte und mir dabei so viele Möglichkeiten verbaue. Eine 5,7 kg schwere Montierung ist immer noch deutlich leichter als jedes meiner Teleskope und in Sachen Mobilität eine andere Liga als die klassischen Montierungen.

Das Starterfeld

Nur der Vollständigkeit und Fairness halber: In meinen Recherchen wurde keine einzige der betrachteten Montierungen von deren aktuellen Besitzern als schlecht oder negativ dargestellt. Das vorherrschende Bild war, dass die meisten die für sie passende Montierung gefunden hatten. Alle hier genannten Modelle waren zwischenzeitlich echte Kaufkandidaten.

ZWO AM5N (5,5 kg / 15 kg Traglast) – Die meistverkaufte Harmonic-Mount auf dem Markt und für mich während der gesamten Recherche der Bezugspunkt in Sachen Eigengewicht, Traglast, Features und Guiding-Performance. Zusätzliche Pluspunkte sammelte sie bei mir nicht – die starke Integration ins eigene Ökosystem war für mich kein Vorteil, sondern eher das Gegenteil.

Skywatcher Wave 150i (5,8 kg / 15 kg Traglast) – Kurz auf dem Radar, aber gleichzeitig mit der AM5N aus dem Rennen: Beide habe ich als funktional vergleichbar eingestuft, ohne dass eine der anderen klar überlegen gewesen wäre.

Pegasus NYX-88 (5,0 kg / 14 kg Traglast) – Interessanter Kandidat, konnte gegenüber der direkten Konkurrenz jedoch keine wirklichen Vorteile aufweisen, die mich zum Kauf hätten bewegen können.

Pegasus NYX-101 (6,0 kg / 20 kg Traglast) – Die größere Schwester mit deutlich mehr Traglast. Auch hier blieb am Ende kein überzeugender Vorteil gegenüber der WD-20P – weder im Antriebskonzept noch im Ökosystem.

iOptron HAE29C-EC (3,7 kg / 13,5 kg Traglast) – Mit 3,7 kg ein echtes Leichtgewicht und mit RA-Encoder ausgestattet. Für ein mögliches Takahashi-Setup jedoch ohne Reserve, und für ein 10″-Teleskop von vornherein nicht geeignet.

iOptron HAE43C-EC (5,7 kg / 20 kg Traglast) – Ein ernsthafter Kandidat: zuverlässig, guter Support, konstant gute Guiding-Werte, und mit 20 kg Traglast durchaus zukunftsfähig. Letztlich fiel sie dennoch zurück – und das hatte vor allem mit einer grundsätzlichen Überlegung zum Antriebskonzept zu tun. Dazu gleich mehr.

Rainbow Astro RST-135E (3,4 kg / 13,5 kg Traglast) – Technisch beeindruckend und vermutlich die besten Guiding-Werte in dieser Auswahl. Sie hatte wirklich lange in meinem Kopf gekreist. Der Preis ist jedoch schwer zu rechtfertigen, wenn der Technologievorsprung gegenüber der besten Konkurrenz sich deutlich verringert hat und die RST-135E seit Erscheinen kein Upgrade mehr erhalten hat. Dazu kommt: Mit 13,5 kg Traglast wäre ein Takahashi TOA bereits ein Grenzfall. Da kam der Homo oeconomicus in mir durch.

WarpAstron WD-20P (5,7 kg / 22 kg Traglast) – Die Entscheidung. Warum, erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Eine grundsätzliche Frage: Encoder oder Direktantrieb?

Harmonic-Drive-Montierungen haben eine konstruktive Eigenschaft, die man kennen muss: Sie besitzen einen merklichen periodischen Fehler. Dieser entsteht durch das Strain-Wave-Getriebe selbst und ist bei allen Modellen dieser Bauart vorhanden.

Es gibt im Wesentlichen zwei Philosophien, wie man damit umgeht:

Die eine Antwort lautet Encoder. Ein Encoder auf der RA-Achse misst die tatsächliche Position und korrigiert laufend. Der praktische Vorteil: Die Guidingkamera kann mit längeren Belichtungszeiten arbeiten – statt 0,5 bis 1 Sekunde sind 2, 3 oder sogar 4 Sekunden möglich. Das ist besonders bei Off-Axis-Guidern mit Schmalband-Filtern vor dem Guiding-Chip wertvoll.

Die andere Antwort lautet Direktantrieb. Anstatt den periodischen Fehler nachträglich zu korrigieren, wird er an seiner Wurzel bekämpft: Ein Servo-Motor treibt das Getriebe ohne Riemen, ohne Zwischenstufe und ohne jegliches Spiel direkt an. Kein Riemenverschleiß, keine Riemenalterung, keine zusätzliche Übertragungsbrücke über die auch Reaktionen zurücklaufen müssen.

Ein Händler, dem ich in diesem Punkt vertraue, hat es treffend formuliert: Das Guiding arbeitet permanent gegen die Encoder. Der Encoder korrigiert, das Guiding korrigiert die Korrektur – ein Wechselspiel, das nie ganz zur Ruhe kommt. Beim Direktantrieb entfällt diese Konfliktebene grundsätzlich.

Für mich, der ich von einer HEQ5 komme und jahrelang Backlash-Probleme kannte, war diese Logik unmittelbar einleuchtend: Direktantrieb schlägt Encoder. Nicht weil Encoder schlecht sind – sondern weil es eleganter ist, das Problem gar nicht erst entstehen zu lassen.

Damit schied auch die HAE43C-EC aus, trotz ihrer soliden 20 kg Traglast und ihres guten Rufs. Sie verwendet wie alle iOptron-Harmonic-Mounts einen Riemenantrieb. Die WD-20P nicht.

Selbstverständlich haben Encoder ihren Wert. Dann, wenn länger als nur ein paar Sekunden unguidet gearbeitet werden soll. Das steht bei mir aber nicht im Vordergrund. Aber auch dafür würden mir Szenarien einfallen, diese sind aber nicht mein Treiber.

Warum es die WD-20P wurde

Der Direktantrieb war der Türöffner – aber es brauchte mehr als einen Vorteil, um bei diesem Preis zu überzeugen.

Gegenüber dem Basismodell WD-20 hat die „P“-Version einen verbesserten RA-Motor erhalten – ein konkreter technischer Fortschritt, der die Entscheidung für die P-Version gegenüber dem Basismodell besiegelt hat. Dazu kommen Stromversorgung und Datenstecker direkt im Sattel, was die Verkabelung deutlich vereinfacht, Fehlerquellen reduziert und mir zusätzliche Flexibilität gibt.

OnStep – offen, herstellerunabhängig, kompatibel mit INDI, NINA, PHD2 und praktisch jeder anderen Software. Keine Abhängigkeiten, keine Einschränkungen.

Die Tragkraft von 22 kg gibt mir echte Spielräume: High End APO, ein 10″-Reflektor – kein Problem mehr. Während viele Konkurrenten am selben Gewichtslimit hängen, geht WarpAstron hier einen spürbaren Schritt weiter.

Die Community-Berichte bestätigen konstant Guiding-Werte zwischen 0,3″ und 0,5″ unter normalen Bedingungen. Das ist der Standard, den ich haben will.

Der Kundendienst von WarpAstron wird in der Community durchgehend als außergewöhnlich gut beschrieben: schnelle Reaktionszeiten, kompetente Hilfe, auch per Discord erreichbar. Das gibt mir Vertrauen.

Mehr als nur ein Kauf

Es gibt noch einen Aspekt, den ich nicht unerwähnt lassen möchte, auch wenn er nichts mit Spezifikationsblättern zu tun hat.

Ich habe im Dezember 2024 eine der schwierigsten Entscheidungen meines Berufslebens getroffen: einen besonderen Arbeitgeberwechsel, der viel Mut und Weitsicht erfordert hat. Nach einem erfolgreichen Jahr im neuen Job möchte ich mich dafür belohnen – nicht mit einem schnellen Kauf, sondern mit etwas, das mich in jeder sternklaren Nacht über viele Jahre hinweg daran erinnern wird, dass es sich lohnt, den richtigen Schritt zu gehen. Wichtig ist, dass man davon überzeugt ist. Bequemlichkeit und Angst sind schlechte Berater.

Die WD-20P ist diese Belohnung. Ein echtes Premium-Produkt!

Vorfreude

Die WD-20P ist die konsequente Wahl: Direktantrieb, offenes Ökosystem, internes Kabelmanagement, echte Traglastreserven und ein Support, dem ich vertraue.

Damit wird bei meinem nächtlichen Setup die Montierung in den Hintergrund treten und einfach funktionieren – damit ich mich zu 100% auf die Astrofotografie konzentrieren und daran erfreuen kann.

Und sie passt zu dem, wofür ich 2020 den Grundstein gelegt habe: als ich auf den Rat der so wertvollen, hilfsbereiten und kompetenten Community gehört und das beste gekauft habe, was ich zu investieren bereit gewesen bin.

Ich freue mich sehr darauf, die Montierung in den nächsten Tagen in die Hände nehmen zu können und sie auf die erste gemeinsame sternenklare Nacht vorzubereiten. Es gibt noch so viel am Sternenhimmel zu entdecken – ich werde berichten.

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