Blutmond am Horizont: Mondfinsternis am 28. August

Am 28. August 2026 verdunkelt sich der Mond zu 93 % – doch der wahre Höhepunkt kommt erst in der Nacht zum 21. Dezember 2029. Meine Recherche über Ablauf, „Güte“ von Mondfinsternissen und warum sich der Blick nach vorn lohnt.

Ich gebe es offen zu: Als ich anfing, für diesen Beitrag zu recherchieren, wollte ich eigentlich nur wissen, wann ich am 28. August aufstehen muss. Herausgekommen ist eine kleine Reise durch die Systematik der Mondfinsternisse – und die Erkenntnis, dass der eigentliche Höhepunkt noch vor uns liegt. Aber der Reihe nach.

Der Aufhänger: 28. August 2026

In den frühen Morgenstunden des 28. August 2026 schiebt sich die Erde zwischen Sonne und Mond, und der Vollmond wandert in ihren Kernschatten. Nach meiner Recherche läuft das Ereignis über Deutschland so ab (alle Zeiten MESZ):

  • 04:33 Uhr – Der Mond tritt in den äußeren Halbschatten ein (kaum wahrnehmbar).
  • 04:34 Uhr – Beginn der eigentlichen partiellen Phase, der Kernschatten knabbert am Mondrand.
  • 06:13 Uhr – Maximum: Rund 93 bis 94 Prozent des Monddurchmessers liegen im Kernschatten. Nur ein schmaler heller Rand bleibt übrig, der Rest kann kupferrot schimmern.
  • ab ca. 06:20 Uhr – Der Mond geht vielerorts bereits unter.
  • 07:52 Uhr – Rechnerisches Ende der Finsternis, in Deutschland aber längst unter dem Horizont.

Mit 93 Prozent ist das eine ausgesprochen „tiefe“ partielle Finsternis – knapp keine Totale, aber nah dran.

Warum sie trotzdem eher ungünstig ist

So beeindruckend die Zahl klingt: Meine Ernüchterung kam beim Blick auf die Beobachtungsbedingungen. Gleich mehrere Faktoren spielen gegen uns:

  1. Der Mond steht tief. Zum Maximum ist er bereits weit Richtung Horizont gewandert. Tiefstehende Objekte sind durch die dichtere Luftschicht schwerer zu sehen.
  2. Er geht mitten im Ereignis unter. In Deutschland ist nur die erste Hälfte der Finsternis sichtbar – kurz nach dem Maximum verschwindet der Mond.
  3. Die Dämmerung stört. Es ist bereits früher Morgen; das aufkommende Tageslicht überstrahlt den ohnehin schwachen Anblick.

Mein Tipp aus der Recherche: Wer es versuchen will, sucht sich einen Standort im Westen Deutschlands mit freier Sicht nach Südwesten – dort geht der Mond später unter und bleibt am längsten sichtbar. Ein Fernglas hilft. Eine Schutzbrille wie bei der Sonnenfinsternis braucht man ausdrücklich nicht.

Was ich dabei über die „Güte“ einer Mondfinsternis gelernt habe

Bei der Recherche stieß ich auf eine Frage, die mich mehr fesselte als der Termin selbst: Wie kategorisiert man eigentlich, wie „gut“ eine Mondfinsternis ist? Es gibt dafür sogar eine offizielle Messgröße – die Finsternisgröße (engl. magnitude): den Anteil des Monddurchmessers, der im Schatten liegt. Ab einem Wert von 1,0 ist der Mond vollständig im Kernschatten – also total.

Grob gibt es drei Grundformen, die ich hier von unscheinbar bis spektakulär sortiere:

KategorieWas passiertSichtbarkeit„Güte“
HalbschattenfinsternisMond nur im äußeren Halbschatten, der Kernschatten wird nicht berührtSehr subtil, mit bloßem Auge oft kaum erkennbar★☆☆☆☆
Kleine partielle FinsternisEin kleiner Teil taucht in den Kernschatten (ca. 10–40 %)Erkennbare dunkle „Delle“ am Rand★★☆☆☆
Große partielle FinsternisGroßer Teil im Kernschatten (ca. 70–99 %), aber nicht ganzSehr eindrucksvoll, teils rötlicher Rand – der 28.08.2026 gehört hierher★★★★☆
Totale Finsternis („Blutmond“)Mond vollständig im KernschattenRötlich-kupferne Färbung des ganzen Mondes★★★★★

Aber die reine Schattentiefe ist nur die halbe Wahrheit. Was am Ende zählt, ist die erlebte Güte vor Ort, und die hängt an weiteren Faktoren:

  • Höhe über dem Horizont – Ein Blutmond hoch am dunklen Himmel schlägt jeden tiefstehenden.
  • Sichtbarer Anteil des Verlaufs – Geht der Mond mittendrin auf oder unter (wie am 28.08.2026), sieht man nur einen Teil.
  • Dauer der Totalität – Von wenigen Minuten bis über eine Stunde, je nachdem wie zentral der Mond durch den Kernschatten zieht.
  • Farbe und Helligkeit – beschrieben über die Danjon-Skala (L=0 sehr dunkel bis L=4 hell-orange). Nach großen Vulkanausbrüchen kann ein Blutmond fast schwarz werden.

Kurz gesagt: Die Güte einer Finsternis ist die Kombination aus objektiver Schattentiefe und den Beobachtungsbedingungen. Und genau hier wird klar, warum der 28. August zwar zahlenmäßig stark, aber praktisch eher mäßig ist.

Die kommenden Jahre – ein kurzer Überblick

Wer nach dem 28. August 2026 auf den nächsten großen Moment wartet, muss echte Geduld mitbringen. Und hier kommt der Fakt, der mich beim Durchsehen der Finsternis-Kalender am meisten überrascht hat: Bis Silvester 2028 gibt es weltweit keine einzige totale Mondfinsternis – rund zweieinhalb Jahre Blutmond-Pause.

Was in dieser Zwischenzeit in Deutschland ansteht (Kernschatten-Bedeckung des Monddurchmessers laut timeanddate.de):

DatumTypBedeckung / MagnitudeIn Deutschland
28. Aug 2026Partiell93 % (mag. 0,93)Nur erste Hälfte, tief & in Dämmerung (★★★★☆)
20.–21. Feb 2027Halbschatten– (mag. 0,93 penumbral)Praktisch unsichtbar (★)
18.–19. Jul 2027„Fast-Finsternis“knapp verfehltNur minimaler Halbschatten (★)
16.–17. Aug 2027HalbschattenPraktisch unsichtbar (★)
11.–12. Jan 2028Partiell~7 %Klein, aber sichtbar (★★)
6.–7. Jul 2028Partiell~39 %Tief am Sommerhimmel (★★)
31. Dez 2028Total100 % (mag. 1,246)Voll sichtbar, Silvesterabend (★★★★★)
25.–26. Jun 2029Total100 % (mag. 1,843)Total, aber kurze helle Sommernacht (★★★★☆)

Man sieht: 2027 bringt ausschließlich Halbschatten- und Fast-Finsternisse, 2028 zunächst zwei flache partielle. Der Frust der Durststrecke macht die beiden totalen Finsternisse am Ende umso wertvoller – und einer davon läutet den eigentlichen Höhepunkt ein.

Der Silvester-Blutmond: 31. Dezember 2028

Der erste große Moment kommt buchstäblich zum Jahreswechsel. Am 31. Dezember 2028 gibt es eine totale Mondfinsternis, die von Deutschland aus in vollem Umfang sichtbar ist. Meine recherchierten Zeiten für Berlin (MEZ):

  • 15:48 Uhr – Mondaufgang, bereits im Halbschatten.
  • 16:07 Uhr – Beginn der partiellen Phase, Mond noch tief im Nordosten.
  • 17:16 Uhr – Beginn der Totalität, der ganze Mond wird rot.
  • 17:52 Uhr – Maximum (Magnitude 1,246, 100 % Bedeckung).
  • 18:27 Uhr – Ende der Totalität.
  • 19:36 Uhr – Ende der partiellen Phase.

Die Totalität dauert also gut 1 Stunde und 11 Minuten – am frühen Silvesterabend, während der Mond bereits höher steigt. Ein Blutmond zum Jahreswechsel, das hat was. Einziger Wermutstropfen: Der Mond geht schon verfinstert auf und steht anfangs sehr tief – man braucht freie Sicht nach Nordosten.

Das Ziel: der 20. Dezember 2029

Und dann kommt der Moment, auf den ich mich seit dieser Recherche wirklich freue: die totale Mondfinsternis am 20. Dezember 2029. Nach allem, was ich zusammengetragen habe, ist das für Deutschland der praktisch beste Termin dieses Jahrzehnts.

Warum gerade diese? Weil hier fast alles zusammenkommt, was eine Finsternis „wertvoll“ macht. Meine recherchierten Eckdaten (MEZ):

  • 20:55 Uhr – Beginn der partiellen Phase.
  • 23:15 Uhr – Beginn der Totalität.
  • 23:42 Uhr – Maximum (Magnitude 1,117, 100 % Bedeckung).
  • 00:09 Uhr – Ende der Totalität.
  • 01:29 Uhr – Ende der partiellen Phase.

Und das macht diesen Termin so besonders:

  • Es ist eine echte Totale – der volle Blutmond, höchste Kategorie (★★★★★), mit rund 54 Minuten Totalität.
  • Sie ist von Deutschland aus in voller Länge zu beobachten – keine halbe Sache mit Monduntergang mittendrin.
  • Das Maximum liegt kurz vor Mitternacht – eine zivilisierte Uhrzeit, für die niemand um vier Uhr früh aufstehen muss.
  • Und sie fällt in die Dezembernacht – lange Dunkelheit, hochstehender Wintervollmond, ideale Bedingungen.

Zum Vergleich: Der 26. Juni 2029 ist zwar ebenfalls total und hat mit 1 Stunde 42 Minuten sogar die längste Totalität – aber sein Maximum liegt um 05:22 Uhr MESZ in der kurzen, schon aufhellenden Sommernacht, bei tiefstehendem Mond. Und 2030 bringt uns nur noch eine partielle Finsternis (15. Juni) sowie eine kaum sichtbare Halbschattenfinsternis (9. Dezember). Der wahre Höhepunkt für Beobachter in Deutschland ist also die Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 2029 – und der 28. August 2026 ist der schöne, wenn auch frühmorgendliche Auftakt dorthin.

Ich für meinen Teil habe mir alle drei Termine schon rot im Kalender markiert. Der erste kostet mich etwas Schlaf, der zweite versüßt mir Silvester, und der dritte schenkt mir einen Winterabend unterm Blutmond. Ich weiß jetzt schon, welcher sich am meisten lohnt.

Klaren Himmel wünscht euer Astrocamp.


Alle Finsternisdaten nach Berechnungen von timeanddate.de. Uhrzeiten für Deutschland (Berlin) bzw. ortsunabhängige Phasen in MEZ/MESZ; je nach Standort können sie um wenige Minuten abweichen.

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