RGB mit OSC oder Mono Kamera?

Ich überlege zunehmend, RGB-Daten künftig mit einer One-Shot-Color-Kamera aufzunehmen, statt weiterhin Mono mit separaten Filtern zu nutzen. Der RGB-Workflow mit Mono ist effizient, aber aufwendig, und erste Tests mit zwei Kameras zeigen, dass sich der Routineaufwand deutlich reduzieren lässt. Für mich rückt daher weniger die Bildqualität, sondern vielmehr das Handling und der Workflow in den Fokus.

In letzter Zeit beschäftigt mich immer stärker die Frage, ob ich für die RGB-Daten in der Astrofotografie nicht besser eine One-Shot-Color-Kamera (OSC) einsetzen sollte, statt weiterhin mit Mono-Sensor und separaten Filtern für R, G und B zu arbeiten.
Ich fotografiere inzwischen hauptsächlich mit einer Mono-Kamera. Die Vorteile liegen auf der Hand: maximale Kontrolle, hohe Effizienz bei Schmalband-Aufnahmen und die Möglichkeit, Luminanz separat aufzunehmen. Gleichzeitig empfinde ich vor allem den RGB-Teil als ausgesprochen umständlich – und je mehr ich mit Mono arbeite, desto mehr fällt dieser Mehraufwand ins Gewicht.
Dabei habe ich ohnehin vor, mir zusätzlich eine Farbkamera zuzulegen. Der Gedanke liegt also nahe, den RGB-Anteil einfach mit einer OSC zu erledigen und die Mono-Kamera weiterhin für Luminanz oder Schmalband einzusetzen. Je nach Objekt könnte ich so flexibel entscheiden: mal nur ein bis zwei Stunden für die Sternfarben, mal eine ganze Nacht RGB als Grundlage für L oder Hα – und danach das Bild mit Monodaten veredeln.
Ein Punkt, der mich besonders motiviert, ist die Reduktion von Routine-Aufwand. Allein die Flats für R, G und B – drei Filter, drei Datensätze, dreimal alles einrichten – ist einer der Aspekte, den ich gern vereinfachen würde. Dazu kommt: Filterwechsel bedeuten immer Handling, Fehlerpotenzial und Zeitverlust.

Zwei Kameras an einem Objekt – erste Tests

Ich habe dieses Konzept bereits testweise umgesetzt, allerdings noch ohne OSC: Bei M45 und M31 habe ich mit meiner EOS R die RGB-Daten gesammelt und dann mit meiner Touptek-Mono die Luminanz ergänzt. Das hat überraschend gut funktioniert. Für beide Kameras habe ich mir Baader-Filterschubladen besorgt, was sich als sehr praktisches Setup erwiesen hat.

Das Problem der exakten Drehung zwischen Sessions kenne ich natürlich. Für mich aber hat sich eine brauchbare Lösung ergeben: Ich arbeite mit Ekos zur Aufnahme, und dort kann man beim Platesolving als Ziel anstelle eines Katalogobjekts einfach ein Bild aus einer früheren Session laden. Nach dem Anfahren zeigt mir das System an, um wie viele Grad ich daneben liege. Kombiniert mit meinem Baader M68 Schnellwechsler kann ich lösen, drehen und verkippungsfrei wieder anziehen – das erleichtert den Workflow enorm.

Schublade statt Filterrad – und warum

Immer wieder wird mir zum Thema Filter natürlich ein klassisches Rad empfohlen. Ich selbst habe mich jedoch bewusst für das Baader UFC-System entschieden und bin bisher sehr zufrieden damit. Der Hintergrund ist simpel: Für meine Vollformat-Kamera nutze ich 50.4 mm Filter. Ein Rad in dieser Größe wird massiv – und ich wollte beim kleinen APO möglichst mobil und schlank bleiben.
Wenn ich in die Eifel fahre, ist ohnehin klar, dass ich nur mit Luminanz fotografieren werde. Dann spart mir die Schublade sowohl Gewicht als auch Komplexität. Außerdem sehe ich außerhalb von RGB wenig Bedarf, innerhalb einer Session Filter zu wechseln. Für mich entscheidet sich der Filter also vor der Nacht – und bleibt dann. Das passt zum Workflow und zu meinem Equipment.
Genau an dem Punkt entsteht aber wieder der „bequeme“ Gedanke: Warum also nicht RGB vollständig auslagern? Wenn ich sowieso eine OSC für Galaxien und Sternhaufen am Cassegrain anschaffen möchte, könnte diese auch gleich meine RGB-Quelle werden.

Motivation: Qualität oder Handling?

Interessant ist, dass die Entscheidung gar nicht primär über Qualität verläuft. Ich habe bei anderen nicht den Eindruck gewonnen, dass die Nutzung einzelner RGB-Filter zwingend ein Qualitäts-Upgrade ist, das man unbedingt braucht. Viel eher scheint es situations- und ausrüstungsbedingt zu sein. Im Moment ist bei mir also weniger die Bildqualität die treibende Kraft als das Handling: weniger Wechsel, weniger Flats, weniger Fehlerquellen.

Fazit – offene Entscheidung

Ich bin daher aktuell an folgendem Punkt:
• Mono bleibt für Luminanz und Schmalband
• OSC wäre für RGB eine attraktive Ergänzung
• Workflow würde sich spürbar vereinfachen
• Qualität spricht nicht eindeutig gegen OSC
• Mobilität und Aufbau profitieren deutlich
Die Frage, die für mich bleibt, ist letztlich: Gibt es einen Grund, den ich bisher übersehe, warum man trotz OSC weiterhin das volle RGB-Programm mit Mono fährt? Oder ist die Kombination aus beiden Systemen am Ende genau das flexible Setup, das ich brauche?

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